
Margot / Basel
Margot kommt aus der Frauenbewegung. Das prägt sie bis heute.
In den frühen 1980er Jahren war sie Kindergärtnerin in Basel, engagiert in einer Frauenorganisation namens OFRA. Mit einer Gruppe von Kolleginnen, Kindergärtnerinnen, Hauswirtschafts- und Werklehrerinnen stellte sie fest, dass ihre Berufsgruppen systematisch schlechter entlöhnt wurden als andere Lehrerberufe. Typische Frauenberufe, typisch schlecht bezahlt. Sie entschlossen sich zu klagen. Es dauerte fünf Jahre, der Kanton wies sie immer wieder ab. Am Ende zogen sie vor das Bundesgericht und gewannen. Die gesamte Berufsgruppe bekam rückwirkend Lohn ausbezahlt. Als der Kanton dann auch noch die Steuern auf einmal einziehen wollte, klagten sie erneut und gewannen erneut. Margot hat dabei gelernt, wie Politik abläuft. Und was es bedeutet, wenn Frauen zusammenhalten.
In den Nullerjahren erkrankte sie. Der Rollstuhl kam, und mit ihm eine neue Realität: Türen, die zu schmal sind. Häuser, die nicht zugänglich sind. Eine Stadt, die nicht für sie gebaut wurde. Aber auch eine Erfahrung, die sie selbst überraschte sie wurde nie angefeindet wegen des Rollstuhls. Und sie stellte fest, dass der Rollstuhl ihr bei Aktionen sogar eine Art Narrenfreiheit gibt. Sie fährt auf Menschen zu, fragt, ob sie abstimmen gehen, ob sie sich informiert haben. Die meisten bleiben stehen. Die meisten reden.
Nach Corona merkte sie, dass sie sich wieder engagieren wollte. Nicht nur für Frauenrechte — auch für das grössere Bild. Der Rechtsrutsch in der Schweiz, in Europa, in der Welt beschäftigte sie. Dann las sie, dass sich eine Gruppe OMAS GEGEN RECHTS in der Schweiz gründen würde. Sie schrieb sich ein — mit einem mulmigen Gefühl. Nicht wegen der Politik, sondern wegen der Menschen. Wie würden sie mit ihr umgehen? Würde der Rollstuhl ein Hindernis sein? Sie wollte nicht als die arme „Behinderte„wahrgenommen werden. Sie wollte als ganze Frau wahrgenommen werden, mit allem, was sie mitbringt.
Beim ersten Treffen in einem Café in Basel schaute sie genau hin. Sie fand Frauen, die sie interessierten. Als es darum ging, wo man sich das nächste Mal treffen sollte, machte Margot einen Schritt, der ihr nicht leichtfiel: Sie lud die Gruppe zu sich nach Hause ein. Sie wohnt in der Nähe des Bahnhofs in Basel, hat einen grossen Raum, einen riesigen Tisch. Kommt doch zu mir, sagte sie. Seitdem bereut sie es keinen Tag.
Was ihr die OMAS gegeben haben, sagt sie, ist ein Geschenk. Im Alter neue tolle Frauen kennenzulernen — das soll schwierig sein. Bei ihr ist es das Gegenteil. Frauen, mit denen sie am gleichen Strick zieht. Und ihr Rollstuhl, sagt sie, spielt dabei überhaupt keine Rolle.
Ihr Ausblick ist ehrlich. In Basel sind etwa 40 bis 50 Frauen als Mitglieder eingetragen — aber aktiv sind es wenige. Als sie von einer Freiburger Gruppe hörte, die 50 aktive Omas hat, dachte sie: wo sind wir? Sie hofft auf Wachstum, auch im Baselland. Und sie denkt an die Migrantinnen in der Stadt — fast die Hälfte der Basler Bevölkerung hat Migrationshintergrund. Diese Frauen zu erreichen wäre wichtig. Und schwierig. Aber es wäre ein nächster Schritt.


















