Portfolio Category: Aktion

  • Stern Demo berlin

    Stern Demo berlin

    Am Samstag, den 12. September 2026, eine Woche vor der Berlin-Wahl, fand in Berlin die Sterndemo statt, unter dem Motto „Zeit, dass sich was dreht“. Sieben Demozüge liefen sternförmig aus der ganzen Stadt zum Roten Rathaus zusammen, mehr als 80 Organisationen und Initiativen waren beteiligt. Die Polizei zählte rund 18.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 32.000, am Roten Rathaus selbst wurde von der Bühne aus sogar eine Zahl von rund 38.000 genannt, solche Differenzen zwischen Polizei-, Veranstalter- und Bühnenangaben sind bei Großdemonstrationen keine Seltenheit.

    Meine Freundin Anna, selbst Fotografin, und ich haben die OMAS an diesem Tag begleitet und fotografisch festgehalten. Einer der Demozüge kam zunächst an der Kreuzung Friedrichstraße vorbei, wo Franziska mit ihrer Trommelgruppe in neuen T-Shirts stand und laut und kraftvoll gegen rechts trommelte. Von dort ging es weiter zur Neuen Wache Unter den Linden, wo die OMAS GEGEN RECHTS von 13:30 bis 15:15 Uhr ihre eigene Kundgebung abhielten, unter dem Motto „Schutz der Demokratie und Menschenrechte, klare Kante gegen Rechts!“, mit Reden, Musikbeiträgen und gemeinsamem Singen. Aufgetreten ist dort das Rap-Duo Global Origins, ein Berliner Projekt um den MC Selim Toth, seit 2020 aktiv, das auf Deutsch und Spanisch gegen Rassismus rappt, ihr Oma-Shoutout hatte echt Wumms. Anschließend schlossen sich die OMAS dem Demozug zum Roten Rathaus an.
    Am Roten Rathaus fand ab 16 Uhr die Abschlusskundgebung statt, mit zahlreichen Redebeiträgen und Musik-Acts bis etwa 17:30 Uhr. Katja Karger vom DGB Berlin-Brandenburg sprach, Luisa Neubauer spielte mit einer Band Schlagzeug und coverte Songs gegen rechts, und der queere Popsänger Leopold trat mit seinem Song „Love is no Utopia“ auf. Auch Angelika von der OMAS-GEGEN-RECHTS-Ortsgruppe Mitte hielt dort eine Rede. Auch die rechten Streamerinnen waren wieder da, die wir schon aus Charlottenburg kannten. Ein als Krokodil verkleideter Demo-Teilnehmer verhinderte diesmal, dass sie ungestört filmen konnten, immer wieder hielt er ihnen seine Antifa-Flagge vor die Kamera. Bis in den Abend wurde anschließend bei einem Abschluss-Rave weitergefeiert.

  • Magdeburg Tag der Demokratie

    Magdeburg Tag der Demokratie

    Am 5. September 2026, dem Samstag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bin ich mit mehreren OMAS von Berlin nach Magdeburg gefahren, zum Tag der Demokratie. Rund 200 bis 300 OMAS GEGEN RECHTS aus ganz Deutschland waren angereist. Organisiert hat unsere Zugfahrt Susanne, eine OMA aus Berlin, die trotz Schienenersatzverkehr alle sicher hin und zurück gebracht hat. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.
    Um 13:30 Uhr startete die Demonstration am Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof, Christiane von den Magdeburger OMAS eröffnete, dann sangen wir gemeinsam und zogen zum Domplatz. Es regnete immer wieder und war stürmisch. Ab 15 Uhr liefen dort Musik und Reden beim Demokratiefestival des Bündnisses Sachsen-Anhalt. Weltoffen!, unter anderem sprachen Luisa Neubauer, Sebastian Krumbiegel und Angela von den OMAS GEGEN RECHTS Halberstadt als Zeitzeugin der friedlichen Revolution. Etwa 8.000 Menschen zogen mit, bis zu 20.000 waren im Tagesverlauf am Domplatz, das Fest endete gegen 20 Uhr.

    Trotz Regen und Wind war die Stimmung ausgelassen, es wurde viel gesungen. Besonders berührt hat mich eine OMA mit Gitarre, die „Omas in Ost und West“ anstimmte, nach der Melodie von Wellerman, Text von Constanze Becker:
    Die Welt ist komplizierter heut doch das verstehn nicht alle Leute
    Sie folgen zu viel TikTok, auf Zeitung ham sie null Bock
    Refrain:
    OMAS in Ost und West die geben stets ihr Allerbest
    gegen die rechte Glut mit Herz und auch viel Mut, Hu!

    Am Ende der Demo kreuzte ein nationalistischer Autokorso der AfD den Weg der OMAS. Weidel und Chrupalla waren an diesem Tag ebenfalls in der Stadt, zum Wahlkampfabschluss der AfD im AMO Kulturhaus, ihnen persönlich zu begegnen, blieb uns zum Glück erspart. Den Autokorso haben wir leider mitbekommen.
    Am Sonntag dann die Wahl: Die AfD wurde mit 43,8 Prozent stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt, ein hohes und bitteres Ergebnis. Trotzdem entschied sich in der Summe die Mehrheit für demokratische Parteien, CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW kamen zusammen auf gut 56 Prozent und mit 44 von 83 Sitzen auf eine rechnerische Mehrheit ohne die AfD.

    Dieser Tag in Magdeburg hat trotz allem gezeigt, wie viele Menschen quer durch die Generationen zusammenhalten und für die Demokratie einstehen.

  • Treffen der AG Demokratie Lesen

    Treffen der AG Demokratie Lesen

    Am 28. August 2026 durfte ich Rosemarie zu einem Treffen der AG Demokratie Lesen der OMAS GEGEN RECHTS begleiten.
    Die AG ist eine von vielen Arbeitsgruppen der Regionalgruppe Berlin Süd/West der OMAS GEGEN RECHTS. Seit fast drei Jahren besuchen die Frauen als Leseomas Kindertagesstätten in Steglitz-Zehlendorf und lesen dort über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen einmal wöchentlich Bilderbücher vor, die sich mit Vielfalt, Weltoffenheit, Inklusion und Zusammenhalt beschäftigen. Vorgelesen wird dialogisch oder mit Kamishibai, inzwischen auch als Bilderbuchkino oder sogar als interaktives Bilderbuchkino. Diese Methoden haben sich die Frauen in Fortbildungen bei der Bürgerstiftung angeeignet, ebenso wie Übungen zur Sprachförderung, die ihnen mittlerweile besonders am Herzen liegt, denn Sprachfähigkeit ist eine der wichtigsten Grundlagen für gemeinschaftliches und demokratisches Handeln sowie für den Bildungserwerb und zur Integration besonders der Kinder mit migrantischem Hintergrund. Im Anschluss ans Vorlesen wird mit den Kindern über das Gehörte gesprochen, gemeinsam nachgedacht und am Ende abgestimmt, welche Geschichte am besten gefallen hat, ein kleines Stück gelebte Demokratie und Mitbestimmung schon im Kita-Alter. Als Ehrenamtliche des Mittelhof e.V. verfügen alle Leseomas über ein erweitertes Führungszeugnis.
    Nach der Sommerpause gab es beim Treffen einiges zu besprechen, um die neue Saison in den Kitas zu planen. Viel Raum nahmen bürokratische Fragen ein, etwa dass das Führungszeugnis für die Arbeit in den Kitas nicht älter als drei Monate sein darf als Voraussetzung für die Tätigkeit im Kontakt mit den Kindern. Während die Runde im Anschluss noch über das Wahlprogramm der AfD in Berlin diskutierte, bin ich mit Rosemarie zur Bibliothek gegangen, wo sie Bücher zurückgegeben hat, und habe diesen Vorgang fotografisch begleitet. Die Bücher dort sind gezielt zu einzelnen Themen der demokratischen Bildung ausgesucht, etwa Kinder halten zusammen, Kinder sind unterschiedlich, Kinder sind stark und bestimmen selbst, Kinder leben ihre eigene Identität oder Kinder erleben Flucht und Heimatverlust. Diese Themen bilden die Grundlage für die Gespräche und Diskussionen mit den Kindern.

  • Berlin-Charlottenburg, 22. August 2026

    Berlin-Charlottenburg, 22. August 2026

    Am 22. August 2026 begleitete ich die Berliner OMAS GEGEN RECHTS zu der Aktion „Cornern gegen Rechts“ vor dem Rathaus Charlottenburg. Am späten Nachmittag versammelten sie sich dort gemeinsam mit der Plattform „CW hält zusammen“, lokalen linken Gruppen, der Kiez-Antifa und Vertreter*innen der Partei Die Linke Charlottenburg-Wilmersdorf, um lautstark gegen einen dort stattfindenden AfD-„Bürgerdialog“ mit Beatrix von Storch dagegenzuhalten. Flugblätter, Flyer, Musik aus mobilen Boxen, und ein Ruf, der immer wieder über den Vorplatz schallte, sobald jemand das Gebäude betrat: „Von den Alpen bis an die Spree, keiner braucht die AfD!“
    Dann tauchten 2 rechtsoffene Streamer Teams auf: ein älterer Mann mit Schiebermütze und Funkmikrofon im „Guten Morgen“-Hoodie (Fan-Merchandise des befreundeten sächsischen Netzwerks Weichreite TV), sowie die Frauen des Berliner Kanals StraßenEcho TV.
    Für Außenstehende wirkt so etwas oft wie eine spontane Konfrontation. Wer diese Szene länger beobachtet, erkennt darin ein eingeübtes System aus gezielter Schwarm-Provokation. Mit Dreibeinstativen, mehreren parallel laufenden Smartphones und Gimbals bauen solche Streamer*innen eine Kulisse totaler Überwachung auf und kreisen die Aktivistinnen förmlich ein, bis man kaum noch weiß, aus welchem Winkel man gerade gefilmt wird. Bei den beiden Frauen übernahm eine den psychologischen Part: Mit Mikrofon drang sie unerträglich nah in den geschützten Raum der Omas ein, stellte betont scheinheilige Fragen und versuchte, die Demonstrantinnen aus der Reserve zu locken. Das eigentliche Ziel ist das Publikum im Live-Chat auf YouTube, wo hunderte Zuschauerinnen mitheizen und die Streamer*innen anfeuern, noch näher heranzugehen. Das gefilmte Gegenüber wird so zur wehrlosen Zielscheibe im digitalen Raum.
    Weder die Omas noch die anderen linken Aktivistinnen ließen sich das kampflos gefallen. Die Teilnehmer*innen rückten eng zusammen und verschanzten sich hinter Transparenten und Oma Regenschirmen, um sich den ungewollten Aufnahmen zu entziehen. Eine der Omas stellte sich dem kameraführenden Streamer entschlossen entgegen und hielt ihr Protestschild beharrlich vor sein Objektiv. Es entstand ein skurriles Tänzchen, der Streamer wich genervt nach links und rechts aus, um doch noch ein Gesicht einzufangen, die Oma blockierte die Linse konsequent weiter.
    Als der Streamer merkte, dass er gegen den geschlossenen Protest keine verwertbaren Bilder für seinen Chat bekam, wechselte er augenblicklich in die für diese Szene typische Opferrolle: Er lief zu den bereitstehenden Polizeikräften und beschwerte sich über die Behinderung seiner „journalistischen Arbeit“. Die Einsatzkräfte gingen dazwischen und trennten die Parteien. Die Omas erkundigten sich daraufhin besorgt bei der Polizei, wie nah solche Streamer*innen eigentlich kommen dürfen und ob es keinen rechtlichen Mindestabstand gebe. Die Berliner Polizei verwies lediglich auf die geltende Pressefreiheit. Weil sich diese Akteur*innen formell als „Bürgerjournalist*innen“ inszenieren, behielten sie ihren uneingeschränkten Zugang und filmten aus nächster Nähe weiter.

    Trotz dieser massiven psychischen Druckkulisse blieb das Bündnis aus Omas, linken Initiativen und Kiez-Aktivist*innen stabil, laut und friedlich. Sie haben sich von den beiden Streamer-Teams nicht wegfilmen lassen. Genau diese generationenübergreifende Standhaftigkeit zeigt, wie wichtig sichtbare Zivilcourage auf der Straße ist.

  • Hergatz / Karsee

    Hergatz / Karsee


    Hergatz / Karsee, 14. Juli 2026

    Der Aufruf kam kurzfristig. Das Bündnis Solidarisches Allgäu hatte für den Abend zu einer Eilkundgebung vor dem Rathaus in Hergatz gerufen, als Reaktion auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den AfD-Stadtrat und Kreisrat Christian Thomas wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung. Thomas ist in der Region bekannt als Organisator der AfD-Stammtische im Gasthof Stiefenhofer in Itzlings – jenem Lokal, vor dem die OMAS GEGEN RECHTS Bodensee und das Bündnis „Hergatz bleibt bunt“ jeden ersten Dienstag im Monat demonstrieren. Die Staatsanwaltschaft Kempten hatte bereits bestätigt, dass Thomas bei einer früheren Demonstration Teilnehmende mit Pfefferspray besprüht haben soll.
    Rund achtzig Menschen fanden sich spontan an diesem Abend vor dem Rathaus ein. Ich begleitete die OMAS GEGEN RECHTS Bodensee, die sich für diesen Abend aufgeteilt hatten, denn eigentlich war für denselben Tag eine Aktion in Karsee geplant.

    In Karsee, einem Ortsteil von Wangen im Allgäu, fand zeitgleich eine Informationsveranstaltung statt, die mehr als zweihundert Menschen in die Turnhalle zog. Hintergrund: Das Gasthaus Adler hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Treffpunkt für Querdenker, Impfgegner und Verschwörungstheoretiker entwickelt. Das Landesamt für Verfassungsschutz stellte bei manchen Veranstaltungen dort extremistische Bezüge ins Milieu der Reichsbürger fest. Der Theologe und Sektenbeauftragte Matthias Pöhlmann referierte über rechte Esoterik und Verschwörungsglauben – ein Phänomen, das sich zunehmend auch im ländlichen Raum ausbreitet, oft unbemerkt, unter dem Deckmantel von Yoga-Kursen, Rohkostabenden oder alternativen Bildungsangeboten. Das Dorfbündnis Karseer Mitte, ein Zusammenschluss von rund siebzig Einzelpersonen, Vereinen und Firmen aus dem Ort, hatte den Abend organisiert.

    Es war ein Dienstag, an dem deutlich wurde, wie viel gleichzeitig passiert – und wie dünn die Decke manchmal ist.

  • Probenbesuch: Forumtheater der OMAS GEGEN RECHTS Bodensee

    Probenbesuch: Forumtheater der OMAS GEGEN RECHTS Bodensee

    Probenbesuch: Forumtheater der OMAS GEGEN RECHTS Bodensee

    Am 8. Juli 2026 durfte ich an der Probe für ein Forumtheaterstück der OMAS GEGEN RECHTS Bodensee teilnehmen und die Gruppe fotografisch begleiten. Es war die Probe zum Stück „Was ist eigentlich los hier?“, das bald wieder zur Aufführung kommt. Künstlerische Leitung: Irmgard Sollinger. Erarbeitet hatten die Frauen das Stück gemeinsam mit Micha Messermann, Mainz, in nur einer Woche im März 2026.

    Was ist Forumtheater?
    Forumtheater ist eine Form des interaktiven Theaters, entwickelt vom brasilianischen Regisseur Augusto Boal im Rahmen seines „Theaters der Unterdrückten“. Gezeigt wird zunächst eine Szene mit einem ungelösten Konflikt oder einer Unterdrückungssituation. Danach wird die Szene noch einmal gespielt, und das Publikum darf jederzeit „Stopp!“ rufen, selbst auf die Bühne kommen und eine Figur ersetzen, um auszuprobieren, wie sich die Situation anders lösen ließe. Ziel ist nicht die perfekte Lösung, sondern das gemeinsame Durchspielen von Handlungsmöglichkeiten: Theater als Probebühne für echtes Eingreifen.

    Das Stück verknüpft thematisch zwei Zeitebenen. Am Anfang steht ein Kriegerdenkmal, ein Chor singt „Lili Marleen“. Aloys, kriegsversehrt, wird von den Erinnerungen eingeholt und übergibt seiner Nachfahrin Hedi einen schweren Sack: die Last der Vergangenheit, die sie widerwillig schultert.

    Im zweiten Teil, in einem Supermarkt, geraten Hedi und ihre Freundin Biggi beim Einkaufen in eine Konfrontation: Kevin, ein junger Mann mit Kapuzenpulli, greift ein schwangeres lesbisches Paar verbal an. Hedi stellt sich schützend dazwischen. Biggi dagegen steht für die Menschen, die nicht hinschauen wollen: Sie nimmt die Attacke zwar wahr, wendet sich aber ab, will damit nichts zu tun haben, ist genervt und will lieber in Ruhe Champagner für ihre Geburtstagsparty kaufen. Als Hedi von Kevin bespuckt wird, bleibt Biggi keine Wahl mehr, als ihrer Freundin notdürftig „beizustehen“; doch kaum ist die Situation vorbei, schiebt sie Hedi von sich weg, mahnt sie, ja nicht ihre Party zu versauen, und verschwindet. Hedi bleibt fassungslos allein zurück: „Ich begreife es nicht, ich begreife es einfach nicht.“
    Wie mir die Frauen erzählten, hat das Stück in bisherigen Aufführungen mehrfach für Gänsehaut-Momente gesorgt. Meist stellt sich das Publikum schützend vor das angegriffene queere Paar. Nur einmal bekam stattdessen Kevin Unterstützung aus dem Publikum, und sofort formierte sich die gesamte Zuschauerschaft gegen ihn. Bei dieser Gelegenheit ging auch jemand direkt zu Kevin, fragte ihn, ob ihn denn irgendjemand liebe, und Kevin fiel buchstäblich die Maske herunter, er konnte gar nichts mehr sagen.

    Für nächstes Jahr wird überlegt, das Stück näher an die eigenen Erfahrungen der Omas heranzurücken, etwa indem statt des queeren Paares reale Beschimpfungen eingebaut werden, mit denen sich die Frauen selbst immer wieder auseinandersetzen müssen. In seiner Kürze trägt das Stück für mich alles in sich: eine traumatisierte Generation, die ihr Päckchen weitergibt, falsche Ideologien, und der wiederauferstandene Hass gegen Andersdenkende. Es regt zum Mitmachen an und zum Nachdenken.

    Kommende Termine:
    01.–09.8.26, Friedrichshafen, Kulturufer (Termine noch nicht fixiert)
    02.10.26, 15–20 Uhr, Konstanz, Lange Nacht der Demokratie, Münsterplatz
    11.10.26, 18:30–19:30 Uhr, Heimenkirch, Paul-Beck-Haus, im Rahmen der Interkulturellen Woche der VHS Lindenberg
    Frühjahr 2027: VHS Lindenberg (2. Aufführung im Rahmen eines Projekts zur Aufarbeitung des 3. Reichs) und VHS Lindau

    Ich hoffe, eine der kommenden Aufführungen selbst sehen zu können, und freue mich schon sehr darauf.

  • Itzlings, am Dienstag

    Itzlings, am Dienstag

    Hergatz Itzlings, am Dienstag

    Der Bahndamm ist gesperrt, der Verkehr wird umgeleitet – direkt an der schmalen Bannerabsperrung vorbei, in der die Demonstrierenden Aufstellung genommen haben. Wer hier steht, steht zwangsläufig nah am Geschehen. Die Autos und Lastwagen donnern im Vorbeifahren dicht an den OMAS GEGEN RECHTS und den anderen Protestierenden vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt, scheinbar ungerührt, der Gasthof Stiefenhofer.
    Das Haus atmet Geschichte: 1680 als Schenke eröffnet und seit 1740 im Besitz der Familie Stiefenhofer, war es über Jahrhunderte der unbestrittene Mittelpunkt des dörflichen Lebens – bekannt für seinen Wurstsalat, die gesellige Atmosphäre und als fester Anlaufpunkt für Reisende. Mit den Einschränkungen der Corona-Pandemie gaben die Wirtsleute den regulären Gastbetrieb auf; der Eigentümer Alois Stiefenhofer junior konzentrierte sich fortan ganz auf die Landwirtschaft. Doch seit Herbst 2024 herrscht hier einmal im Monat eine völlig neue Dynamik: Der AfD-Kreisverband Westallgäu-Lindau nutzt die Räumlichkeiten für seinen regelmäßigen Stammtisch.
    Als ich versuchte, die Straßenseite zu wechseln, um das Gebäude aus einer besseren Perspektive zu fotografieren, wurde ich von der Polizei abgehalten. Die Begründung: Privatgrund, der gesamte Bereich gehöre zum Gasthof. Rechtlich ist daran rein gar nichts auszusetzen – es ist das verbriefte Eigentum des Wirts, sein Haus und somit seine legale Ausübung des Hausrechts. Eine Schikane ist es nicht, sondern schlicht geltendes Recht.
    Als Gegenbewegung zu diesen Treffen formierte sich bereits im Januar 2025 – und damit seit mehr als einem Jahr – das überparteiliche Bündnis „Hergatz bleibt bunt“. Seither ruft es an jedem ersten Dienstag im Monat zum „Demokratie-Dienstag“ auf. Eine Petition gegen die Treffen hat mittlerweile mehr als 800 Unterschriften eingebracht – beachtlich ist dabei, dass ein gutes Drittel der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner direkt aus Itzlings und der unmittelbaren Umgebung stammt.
    Was in dem kleinen Allgäuer Ort verhandelt wird, berührt im Kern eine fundamentale Frage des öffentlichen Raums: Wer darf sich wo Gehör verschaffen, wer wird an den schmalen Rand der Straße verwiesen – und wo genau verläuft die Grenze, ab der die Öffentlichkeit nicht mehr mitreden darf, weil das Hausrecht des Einzelnen beginnt? Die OMAS GEGEN RECHTS besetzen an diesem Dienstag den wohl engsten Platz an der Straße – und sie werden, so viel steht fest, auch im nächsten Monat wieder dort stehen.

  • Für die Demokratie – auf den Märkten von Graz

    Für die Demokratie – auf den Märkten von Graz

    Für die Demokratie – auf den Märkten von Graz

    Einen Monat lang, jeden Samstag, waren die OMAS GEGEN RECHTS Steiermark auf den Grazer Märkten unterwegs. Nicht um Wahlkampf zu machen – sondern um Menschen daran zu erinnern, dass ihre Stimme zählt. Vor der Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 sprachen sie Marktbesucher*innen an, verteilten Informationen und machten deutlich: Demokratie braucht Beteiligung.

    Das Ergebnis am Wahlabend zeigte, dass Graz seinen eigenen Weg geht. Die KPÖ unter Bürgermeisterin Elke Kahr gewann die Wahl mit deutlichem Abstand und bleibt stärkste Kraft im Grazer Gemeinderat. Sie erhielt rund 36 Prozent der Stimmen – ein nochmaliger Zuwachs gegenüber 2021. Die FPÖ erzielte 12,2 Prozent – ein leichtes Plus gegenüber 2021, aber weit unter dem bundesweiten Trend.
    Graz bleibt damit ein bemerkenswerter Sonderfall in der österreichischen Politiklandschaft.

  • PRÜF-Demo Hamburg 04 26

    PRÜF-Demo Hamburg 04 26

    In Hamburg habe ich die Trommelgruppe der Omas gegen Rechts bei der PRÜF-Demo begleitet — Frauen, die mit Kochtöpfen, Pfannen und Haushaltsgegenständen lautstark für Demokratie eintreten. Und es war gleichzeitig der allererste Auftritt der neuen Blechbläsertruppe, die die Hamburger Omas von nun an begleiten wird.

    Die PRÜF-Demos finden jeden zweiten Samstag gleichzeitig in allen Landeshauptstädten statt — mit einer Forderung: Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden, sollen vom Bundesverfassungsgericht geprüft werden. → pruef-demos.de

  • CSD & PRÜF-Demo Potsdam

    CSD & PRÜF-Demo Potsdam

    CSD & PRÜF-Demo Potsdam
    Am 9. Mai hatte ich die Freude, ein paar Omas gegen Rechts aus Potsdam kennenzulernen — und habe die Berliner Trommelgruppe begleitet, die gemeinsam mit den Potsdamer Omas den CSD und die PRÜF-Demo unterstützt hat. Laut, bunt und entschlossen.

    Der Christopher Street Day ist ein Zeichen für die Rechte und Sichtbarkeit von queeren Menschen — und es ist kein Zufall, dass er heute nicht mehr nur in den großen Städten stattfindet. Gerade in Brandenburg, wo die AfD immer stärker wird, ist es wichtig, dass der CSD auch in kleineren Gemeinden auf die Straße kommt. Sichtbarkeit dort, wo sie am meisten gebraucht wird.

    Die PRÜF-Demos finden jeden zweiten Samstag gleichzeitig in allen Landeshauptstädten statt — mit einer Forderung: Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden, sollen vom Bundesverfassungsgericht geprüft werden. → pruef-demos.de