Hergatz / Karsee, 14. Juli 2026
Der Aufruf kam kurzfristig. Das Bündnis Solidarisches Allgäu hatte für den Abend zu einer Eilkundgebung vor dem Rathaus in Hergatz gerufen, als Reaktion auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den AfD-Stadtrat und Kreisrat Christian Thomas wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung. Thomas ist in der Region bekannt als Organisator der AfD-Stammtische im Gasthof Stiefenhofer in Itzlings – jenem Lokal, vor dem die OMAS GEGEN RECHTS Bodensee und das Bündnis „Hergatz bleibt bunt“ jeden ersten Dienstag im Monat demonstrieren. Die Staatsanwaltschaft Kempten hatte bereits bestätigt, dass Thomas bei einer früheren Demonstration Teilnehmende mit Pfefferspray besprüht haben soll.
Rund achtzig Menschen fanden sich spontan an diesem Abend vor dem Rathaus ein. Ich begleitete die OMAS GEGEN RECHTS Bodensee, die sich für diesen Abend aufgeteilt hatten, denn eigentlich war für denselben Tag eine Aktion in Karsee geplant.
In Karsee, einem Ortsteil von Wangen im Allgäu, fand zeitgleich eine Informationsveranstaltung statt, die mehr als zweihundert Menschen in die Turnhalle zog. Hintergrund: Das Gasthaus Adler hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Treffpunkt für Querdenker, Impfgegner und Verschwörungstheoretiker entwickelt. Das Landesamt für Verfassungsschutz stellte bei manchen Veranstaltungen dort extremistische Bezüge ins Milieu der Reichsbürger fest. Der Theologe und Sektenbeauftragte Matthias Pöhlmann referierte über rechte Esoterik und Verschwörungsglauben – ein Phänomen, das sich zunehmend auch im ländlichen Raum ausbreitet, oft unbemerkt, unter dem Deckmantel von Yoga-Kursen, Rohkostabenden oder alternativen Bildungsangeboten. Das Dorfbündnis Karseer Mitte, ein Zusammenschluss von rund siebzig Einzelpersonen, Vereinen und Firmen aus dem Ort, hatte den Abend organisiert.
Es war ein Dienstag, an dem deutlich wurde, wie viel gleichzeitig passiert – und wie dünn die Decke manchmal ist.