
Jeany / Berlin
Jeany kommt aus einem Dorf im tiefsten Schwarzwald. Sie wuchs bis zu ihrem 16ten Lebensjahr in einem gut situierten Elternhaus auf, indem Geld und Ansehen wichtiger als menschliche Wärme waren. Sie musste früh lernen und spüren was fehlt. Sowohl ihre früh bewusste Homosexualität, als auch ihre nicht standesgemäßen Freunde erfuhren eine tiefe Abneigung. Freunde durften mit der Begründung: „Wir wollen hier Keinen durchfüttern“, nicht zu Besuch bleiben. Und das war nur ein Beispiel unter vielen, durchaus auch traumatischen Erfahrungen, die sie prägten.
Mit 13 reagierte sie auf die grundlegende Aussage ihrer Eltern: „Es gibt im Leben zwei Dinge — „Geld oder Liebe“ mit der Erwiderung: „dann lieber die Liebe suchen gehen zu wollen.“ Diese Entscheidung leitet ihr Leben bis heute.
Mit Anfang 20 war sie politisch sehr aktiv — hat Frauencafés mitaufgebaut, Frauenbegegnungsstätten mitgegründet, sich für homosexuelle Menschen und Minderheiten eingesetzt. Dann kam der Beruf, eine Selbstfindungsphase, das Leben. Die Politik trat vorerst in den Hintergrund.
In den letzten Jahren merkte sie zunehmend eine ungute Veränderung in der Gesellschaft, die sie unruhig machte. Der entscheidende Auslöser tätig werden zu wollen, war die Correctiv Recherche und das „Öffentlich Werden“ der Remigrationspläne der AfD. Sie und ihre Frau schauten sich an und beschlossen aktiv zu werden.
Jeany sagte: “Ich möchte mir in die Augen gucken können. Ich möchte am Ende meines Lebens vor Gott aufrecht stehen können.“
Beide meldeten sich bei den OMAS GEGEN RECHTS an, gingen hin und blieben. Dort gab es so viele Möglichkeiten aktiv zu werden. TikTok gehörte von Anfang an dazu, obwohl weder Jeany noch ihre Frau sich vorab für TikTok interessiert hatten. Ihre Mitoma Franzi hatte kurz vorab als eine der ersten in Kenntnis der Bedeutung für jüngere Menschen und des Missbrauchs durch rechtsextreme Propaganda einen eigenen TIKTOK Kanal gestartet.
Das erste Video floppte. Aber sie machten weiter, wurden kreativer und wuchsen mit ihrer Aufgabe. Ein Waschmittel-Video „AfD: Aris frischer Duft“ wurde ein echter Hit — rot, grün versiffte Flecken ließen sich trotz des Waschmittel AfD einfach nicht entfernen., woraufhin dieses untaugliche Mittel wütend weggeschmissen wurde. Die Kommentare junger Menschen: „Wenn OMAS GEGEN RECHTS Werbung machen würden, würde ich wieder Fernsehen gucken.“
Heute macht Jeany zusammen mit ihrer Frau TikTok, generiert Ideen, informiert und setzt unterschiedliche Ideen um. Sie arbeitet mittlerweile mit anderen Omas im deutschlandweiten TikTok Kanal und fördert darüber auch die Vernetzung der unterschiedlichen Oma Gruppen.. Es ist ein großer Teil ihrer Freizeit — und manchmal braucht es die Kunst, sich selbst zu bremsen, damit die Energie nicht versiegt.
Im Austausch mit anderen Menschen gibt es unterschiedliche Reaktionen. Manchmal fühlt sie sich wie das wandelnde schlechte Gewissen der passiven Mitbürger*innen. Dann wird es still, wenn sie erzählt.
Während ihrer Aktivitäten auf der Straße und im Netz gibt es gelegentlich Anfeindungen. Aber es gibt auch die Momente, die alles tragen: junge Menschen und auch die Queer Community, die auf sie zukommen, sie umarmen und einfach sagen — danke, dass ihr hier seid.
Was sie antreibt,: „Ich möchte erhalten, was wir errungen haben – das Bewusstsein für unserer Werte wieder schärfen. Demokratie ist die beste Staatsform, die wir haben! Wir sollten mit der Erde leben — nicht von ihr. Als Teil eines Organismus, der nur funktioniert, wenn alle füreinander sorgen.