Brigitta / Basel

Brigitta ist keine Oma. Das sagt sie selbst, ohne Umschweife. Wenn jemand das anmerkt, antwortet sie inzwischen spontan: aber ich bin gegen rechts. Eine Freundin würde schon das Label abturnen. Brigittas Nichte findet es cool. Brigitta selbst identifiziert sich nicht als Oma — aber sie versteht die Strategie dahinter. Wenn du Oma hörst, denkst du: harmlose alte Frau. Und genau das ist der Trick. Man wird angehört, macht keinen Druck wie der schwarze Block, und sagt trotzdem das Wichtige. Auf einmal sind ältere Frauen die lauteste zivilgesellschaftliche Bewegung — sichtbar, laut, ernst genommen.

Aufgewachsen ist Brigitta in Frankfurt, in den 1960ern und 70ern. Ihre Mutter war Geschichtslehrerin, die Eltern linksliberal. Nationalsozialismus und Faschismus waren in der Schule ein Thema — was damals keineswegs selbstverständlich war. Mit 16 hat sie Schulstreik gemacht, mit 17 gegen Nazis demonstriert. Es gab Lehrer, die sie wirklich geprägt haben. Und es gab jedes Jahr am 17. Juni einen Naziaufmarsch in Frankfurt — und dagegen Rock gegen Rechts, mit Zehntausenden Menschen und grossen Bands. Das hat sie geformt.

Dann England, dann Basel. Seit 15 Jahren lebt sie in der Schweiz, und Gleichgesinnte zu finden ist nicht immer leicht. Als sie hörte, dass sich die OMAS GEGEN RECHTS in Basel gründen, hatte sie gerade einen gebrochenen Fuss. Sie ging trotzdem hin. Die Omas kannte sie schon aus deutschen Medien, von den Demos gegen jene Veranstaltung, über die Korrektiv berichtet hatte — die grösste Demonstrationswelle seit langem. Die Omas waren immer dabei. Und Brigitta dachte jedes Mal: schade, ich bin ja in der Schweiz.

Jetzt ist sie dabei. Was ihr am besten gefällt: dass sie bei Demos nicht mehr allein rumläuft. Dass Frauen zusammen sind, gemeinsam Ideen entwickeln und Aktionen machen. Das trägt.

Was sie über die Schweiz denkt, sagt sie direkt. Die Schweizer Volks Partei hat 30 Prozent. Ihre Wahlkämpfe und Plakate wurden zumindest zeitweise von SVP-nahen Leuten für die AfD konzipiert — die Verbindungen sind eng. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, aber über Schengen und bilaterale Verträge eng eingebunden — und die SVP lanciert trotzdem alle zwei Jahre eine Initiative dagegen. Immer das gleiche Thema: Migration, Ausländerfeindlichkeit, Anti-EU. Basel hat die letzte Masseneinwanderungsinitiative mit 75 Prozent abgelehnt — der höchste Wert im ganzen Land. Die Städte denken anders als das Land. Aber gegen 30 Prozent SVP kommt man nicht mit einer Handvoll Omas an — das weiss Brigitta selbst.

Und trotzdem: dranbleiben, Schritt für Schritt, immer wieder Präsenz zeigen. So haben sie es in den 70ern und 80ern mit der Klimabewegung gemacht. Und sie glaubt, dass die OMAS GEGEN RECHTS gerade für junge Menschen ansprechend sind. Junge Männer wählen heute rechts — Krisen machen Angst, und die Rechten bieten einfache Antworten. Aber viele junge Menschen haben Omas. Und wenn man nur ein oder zwei mitnimmt, ist schon etwas gewonnen.

Man tut, was man kann.