
Omas gegen Rechts Celle / Hannover
Gundi ist von Natur aus optimistisch. Das sagt sie selbst. Vielleicht hat sie das von ihrem Vater.
Ihr Vater war Arbeiterkind, aufgewachsen in Hannover-Linden, keine feine Gegend. Sie hatten nichts, spielten auf der Straße. Dann kam Hitler – und sammelte diese Kinder ein. Dem Vater ermöglichte er das Segelfliegen, Ausflüge zum Flugplatz Ithwiesen, Kameradschaft, Abenteuer. Statt auf der Straße plötzlich in der Luft. Er war glücklich. Er war vielleicht vierzehn.
Er wurde Pilot. Wurde abgeschossen. Kam 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück – ohne Haare, wie alle, wegen der Läuse. Gundis Mutter sah den Zug ankommen, schaute aus dem Fenster des Lazaretts und dachte: Gott, halbe Kinder haben sie da zusammengesammelt. Dann schnappte sie sich den Vater. Der hatte keine Zeit, traumatisiert zu sein.
Im Alter sagte er: Ich habe eigentlich ein schönes Leben gehabt. Ich musste in den Krieg und bin gesund wiedergekommen. Und ich musste nie einen Totschießen. Das war ihm wichtig. Das hat er festgehalten.
Aber er hat sich auch immer vorgeworfen, dass er nicht gesehen hat, was sie wirklich vorhaben. Dass er sich hat einfangen lassen. Dass es ihm sogar gefallen hat. Er war noch ein Kind – aber das milderte das schlechte Gewissen nicht ganz. Und er hat immer gesagt: Niemals wieder würde er sich seine Gesinnung auf einen Knopf drucken lassen. Niemals wieder.
Daraus wurde ein Vollblutgewerkschafter. Betriebsrat, SPD, das Bewusstsein, dass Arbeiter sich zusammentun müssen, um irgendetwas zu erreichen. Gundi ist damit aufgewachsen – als selbstverständliche Wahrheit, nicht als Ideologie.
Sie selbst hat immer schon gemacht. Schülersprecherin und Mitarbeiterin im AStA, Gewerkschaft, Klimademos, eine Bürgerinitiative im Dorf. Und dann, 2019, ein Zeitungsartikel: In Hannover gründet sich eine Gruppe Omas gegen Rechts. Kommen Sie vorbei. Gundi kam. 40, 50 Frauen standen in einem Raum, der viel zu klein war. Ein Zettel ging rum. Dann gings los.
Sie standen mit Ständen in der Innenstadt, zwei-, dreimal die Woche. Sie fuhren ins Umland, morgens um sechs zum Burgdorfer Pferdemarkt, weil die Bauern früh sind. Weil die Rechten sich in Dörfern einnisten – als netter Herr Müller, der die Jugendmannschaft trainiert, der brav spendet, der zum Bürgermeister gewählt wird.
So kam sie auch nach Celle. Irgendeine Veranstaltung, die Hannoveraner fuhren mit. Sie lernte die Celler Gruppe kennen, die war überschaubarer und persönlicher als im großen Hannover und trotzdem hat sie vielfältige und zahlreiche Aktionen. Ausserdem ist demonstrieren vorm Schloss einfach toll
